Rhön-u.Saalepost, 12.10.2004

Wenn Markus Arnold seine Trompete ansetzt, geht seinem Lehrer Norbert Glock das Herz auf

Musiker fährt mit den besten Trompetern aus Europa zum Wettbewerb nach Berlin


Bad Neustadt (ger). Dem einen Mann gereicht es nach eigener Aussage buchstäblich zur Ehre, einen solchen Schüler unterrichten zu dürfen. Der Schüler selbst wehrt eher bescheiden ab und preist sich glücklich, einen solch qualifizierten Lehrer gefunden zu haben.

Solche Worte hört man wahrlich nicht oft. Doch wenn Schüler Markus Arnold seine Trompete ansetzt, dann geht seinem Lehrer Norbert Glock „das Herz auf“. Als diplomierter Musiklehrer mit Tätigkeitsfeld an der Kreismusikschule hat er ein gutes Gehör. Er hört im Unterricht noch Nuancen, die ein Laie so gar nicht mehr erkennt. Zum erfolgreichen „Dreierpack“ gehört Antje Albu. Auch sie ist als Musiklehrerin an der Musikschule des Landkreises Rhön-Grabfeld aktiv. Gemeinsam fahren sie zum Yamaha-Trumpet-Contest nach Berlin. Am 20. November findet hier das Finale statt, in dem die besten Trompeter von ganz Europa aufeinander treffen.

Einer von ihnen ist Markus Arnold. Vorausgegangen waren mehrere Vorentscheide an europaweit verschiedenen Orten. Nur zehn bis maximal 15 Sieger dürfen nach Berlin. In Hannover hat sich Markus Arnold in der Fachrichtung Klassik qualifiziert. Und zwar mit der Alexander Goedicke Etuede, gespielt mit einer „ganz normalen B-Trompete“. Für den 1. und 2. Satz aus dem Trompetenkonzert von Friedrich Fasch benötigt er eine so genannte „Hoch-A-Trompete“, die auch als Bach-Trompete bezeichnet wird oder schlicht Piccolo-Trompete genannt wird. Insgesamt haben rund 150 Trompeter aus ganz Europa teilgenommen.

Hochkarätig setzte sich in Hannover auch die Jury zusammen. Neben Timo Hänf (Yamaha) waren es Jeroen Berwaerts (erster Solotrompeter und Stimmführer des NDR Sinfonieorchesters) sowie Bernhard Läubin (Solotrompeter NDR Sinfonieorchester). Im Finale am 20. November in Berlin treten die jeweils Besten aus den Vorentscheiden gegeneinander an.

Dabei ist Markus Arnold ein richtiger Amateur. Zugegeben, in seiner Familie spielte die Musik schon von jeher eine ausgesprochen große Rolle. „Der Vater war mein erster Lehrer. Schon mit fünf Jahren habe ich auf der Trompete geblasen, sagt der heute 34-jährige, der aus Waldberg stammt. Längst hat er eine eigene Familie und ist im Nachbarlandkreis Bad Kissingen, in Aschach, zu Hause.

Mit Vater Eduard Arnold und den Waldberger Rhönmusikanten stand der Junge als Sechsjähriger bereits auf der Bühne. Das Talent des Jungen trat von Anbeginn hervor. Eine „ordentliche“ Ausbildung erhielt er beim Jugendmusikcorps Bad Kissingen, dem er rund sechs Jahre angehörte. Unter der Leitung des Stadtmusikdirektors Hans Wollgast galt dieses als Aushängeschild des berühmten Staatsbades.

Als 14jähriger errang er das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Bronze bei Professor Adam Zeyer. Mit den Waldberger Rhönmusikanten ist er noch immer unterwegs, daneben auch mit den Sandberger Musikanten, denen er sich 1989 anschloss.

Wie in der Musik ließ sich Markus Arnold auch in der Berufswahl vom Vater leiten. Dieser war Kachelofenbaumeister, also tat es ihm sein Sprössling nach. Daneben spielte er weiterhin fleißig Musik. „Für mich. Nach einem langen und harten Arbeitstag tu ich den Dämpfer rein in die Trompete und dann spiel ich oft bis in die Nacht“. Das gebe ihm einen inneren Ausgleich und sogar für Entspannung.

Bei der Musik lernte er auch seine heutige Gattin Gabi Friedel kennen, die bei den Sandberger Musikanten Klarinette spielte. Die Hochzeitsreise 1993 führte mit der Sandberger Trachtenkapelle auf Amerika-Tournee. Den Dirigenten-Vorkurs schloss er mit „gut“, das Leistungsabzeichen in Gold als Pilotlehrgang für die neue Prüfungsordnung mit „sehr gut“ ab. Doch stets blieb Arnold seiner Trompete treu.

Bereits Mitglied im Jugendsinfonieorchester Unterfranken unter Hermann Freibott legte er 1995 die Ausbilderprüfung im Fach Trompete C2 ab mit einem glatten „sehr gut“ ab. Im selben Jahr trat er dem Nordbayerischen Jugendblasorchester unter der Leitung von Ernst Oestreicher bei.

Schon ein Jahr später tourte er sich als Mitglied der Big Band der Kreismusikschule Rhön-Grabfeld mit dem Leiter Udo Schneider durch die Region. Arnold zählt zu den Gründungsmitgliedern. Doch „Musik hab ich immer nur nebenbei gespielt“, sagt der Mann. Aber das täglich und aus dem schlichten Grund heraus, dass es ihm einfach ein Bedürfnis sei. „Musik ist die Sprache der Herzen“, sagt er.

Dass er sein Herz neben anderen Stilrichtungen besonders der Böhmischen Blasmusik verschrieben hat, liegt wohl eher an der jugendlichen Prägung durch die Musikvereine seiner Heimat. So gehört er auch dem Kreuzbergblick-Quintett an, das in typisch Oberkrainer Besetzung auftritt.

Der Weg vom reinen Amateur in Richtung professioneller Musiker ist lang und hart. Doch die Freude am Spiel überwiegt eindeutig. 1997 folgte das Leistungsabzeichen in Silber für Tenorhorn und noch im selben Jahr ein Registerführer-Lehrgang, den Arnold wiederum mit der Traumnote „eins“ ablegte.

Weiterbildungen und Workshops folgten, darunter finden sich so klangreiche Namen wie Rüdiger Schemm, Hubert Pfister und Richard Steuard, Professor Malte Burba, Gerassimo Loanidis und Dusko Gojkovic. Seit langem schon kennen und schätzen sich der Lehrer Norbert Glock aus Unterwaldbehrungen und sein Ausnahmeschüler. Immer weiter feilen die beiden an der Professionalität. Klanganalysen sind angesagt, immer wieder werden die Mundstücke des Instruments ausgetauscht, an Ausdruck und Niveau im Klang gefeilt. Takt für Takt wird zerstückelt und ausgewertet, an Luftführung und Atemtechnik gearbeitet.

Ausbilder Glock bezeichnet seinen Schüler als Perfektionisten, der ihn persönlich unheimlich fordere. Das aber bereite ihm ganz besondere Freude. „Selten habe ich einen so warmen herzigen Ausdruck erlebt“, habe der Prüfer beim jüngsten Vorspiel im Yamaha-Kontest in Hannover gesagt. Noch knapp sechs Wochen Zeit bleibt bis zur Endausscheidung in Berlin. Zeit, die von Schüler und Lehrer intensivst genutzt wird.