Mainpost, 18.11.2004

Auf dem Weg zum besten Trompeter Europas

SANDBERG Dass Markus Arnold zu den Ausnahme-Musikern der Rhön gehört, hat er als begnadeter Trompeten-Solist schon bei zahlreichen Auftritten unter Beweis gestellt.

Jetzt bewegt sich der 34-jährige Waldberger, der aus beruflichen Gründen vor einiger Zeit mit seiner Familie von Sandberg nach Aschach umzog, aber noch in seinen Heimatkapellen in Waldberg und Sandberg aktiv ist, in neuen musikalischen Sphären: Beim europaweiten Yamaha-Trumpet-Contest 2004 ließ Markus Arnold im Vorentscheid in der Stilrichtung Klassik die starke Konkurrenz hinter sich und qualifizierte sich für das Finalwochenende vom 19. bis 21. November in Berlin.

Nach dem großen Erfolg des Yamaha-Sax-Contest 2003 wird die Reihe heuer mit dem Trumpet-Contest der Instrumenten-Firma fortgesetzt. Das ist der erste Trompeten-Wettbewerb, der spartenübergreifend für Klassik und Jazz/Pop für Trompeter sowie Ensembles in allen Alterklassen ausgeschrieben wurde, mit separater Bewertung für Profis und Amateure. Die Ausschreibung lief europaweit in der Fachpresse. Teilnahmeberechtigt waren Trompeter und ihre Begleitmusiker ab einem Alter von mindestens 16 Jahren.

Markus hatte in der bayerischen Blasmusik-Zeitschrift von diesem Wettbewerb erfahren und sich im Mai für den Vorentscheid für Amateure in der Kategorie Klassik in Würzburg angemeldet. Aus terminlichen Gründen schwenkte er kurzerhand um auf den Vorentscheid in Hannover.

Doch auch da wurde es dann zeitlich knapp. Am Vormittag, als in Hannover die Amateure vorspielten, war der Kachelofenbaumeister noch bei einer Ausstellung für seinen Betrieb im Einsatz. "Ab Mittag waren nur noch die Profis dran", erzählt Markus. So wurde er als Profi eingeteilt und musste gegen entsprechend hoch qualifizierte Mitbewerber antreten. Als Profi gilt laut Ausschreibung für diesen Wettbewerb "jeder, der eine professionelle Laufbahn eingeschlagen hat, indem er entweder seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen mit dem Musizieren sicherstellt oder ein Studium an einer Musikhochschule/Konservatorium oder ähnlichen professionellen Bildungseinrichtung begonnen bzw. abgeschlossen hat".

An den Rhöner Freizeitmusiker stellte die Fachjury folglich extrem anspruchsvolle Erwartungen. Jurymitglieder waren auch zwei Solotrompeter im Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks. In weiser Voraussicht hatte Musiklehrer Norbert Glock von der Kreismusikschule Bad Königshofen mit Markus Arnold ein Programm für Amateure und Profis vorbereitet.

Jeder Bewerber sollte sich mindestens zehn Minuten mit zwei Stücken seiner Wahl der Jury präsentieren. In der Vorbereitung entwickelte der Hobby-Trompeter großen Ehrgeiz. Es habe ihn gereizt, sich mal "einer wirklich internationalen Jury zu stellen", sagt er. "Markus hat mich stark gefordert", berichtet Norbert Glock. Er hat quasi im Crash-Kurs eine Ausbildung in konzertanter Musik und klassischer Trompeten-Ausbildung genossen, "um eine Bandbreite vorspielen zu können", die weit über die bisherige Blasmusik hinausging.

Sie hätten "bewusst zwei sehr anspruchsvolle Stücke ausgesucht", sagt Norbert Glock, der Stücke seiner eigenen Abschlussprüfung zum Musikhochschul-Studium gewählt hatte. Alexander Goedickes Etüde und Friedrich Faschs Trompetenkonzert, 1. und 2. Satz. Für Letzteren musste er sogar auf die Piccolo-Barocktrompete wechseln. Als die Trompeten-Soli saßen, wurde Antje Albu, Klavierlehrerin an der Kreismusikschule Bad Königshofen, als Begleiterin am Klavier noch mit ins Boot genommen.

In Niedersachsen kam für das Trio aus der Rhön dann die große Überraschung: Obwohl Markus nach dreistündiger Fahrt nur noch knapp eine Stunde Zeit zum Umziehen und zu einer kurzen Probe hatte, gelang ihm mit seinem Vorspiel eine Glanzleistung. Während Musiklehrer Norbert Glock, wie er erzählt, mit weichen Knien und starkem Herzklopfen dem Auftritt seines Schützlings entgegensah, habe Markus die Gelassenheit und Ruhe, die man den Rhönern oft nachsagt, verkörpert. Konzentriert, gelöst und mit ganzer Hingabe habe er seine Stücke gespielt - "mit hervorragender professioneller Klavierbegleitung von Antje Albu", wie beide hervorheben.

Bei der Jury habe der Auftritt des Amateur-Trompeters großen Eindruck hinterlassen: Er habe selten so einen wunderschönen Ton auf einer Barock-Trompete gehört, habe Profi-Trompeter Jeroen Berwaerts ein großes Lob an den Rhöner weitergegeben. Er habe "mit hervorragendem künstlerischem Ausdruck die Stücke vorgetragen", sei sich die Jury einig gewesen, als sie Markus Arnold als Sieger des Profi-Vorentscheids in der Stilrichtung Klassik bekannt gegeben habe. Insgesamt nahmen zirka 150 Trompeter aus ganz Europa an den jeweiligen Vorentscheiden teil. Die zehn Besten haben sich für das Finale in Berlin qualifiziert.

"Ich konnte es gar nicht fassen, als die Jury sagte: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind weitergekommen", schildert Markus Arnold seine erste Reaktion. Musiklehrer Norbert Glock ist noch immer vom Erfolg seines Schülers überwältigt: "Ein Amateur schafft den Weg unter die zehn besten Trompeter Europas!", blickt er mit Markus nun gespannt der Einladung in die Landeshauptstadt entgegen.